Dez 14

Nur noch 5 Fahrtenpaare von/nach Schöllkrippen statt bisher 15 je Wochentag

In der Linsengerichter Gemeindevertretersitzung am 29. August diesen Jahres wurde einstimmig beschlossen, sich mit 16 500 € jährlich an den Betriebskosten der Buslinie AB-30 zu beteiligen. Dies geschah unter der Überschrift „Erhalt der Linie AB-30 im derzeitigen Umfang“ (Überschrift GNZ vom 31.08.2017). Grundlage war ein Angebot des Landrats Thorsten Stolz in Absprache mit der Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig (KVG abgekürzt) unter der Überschrift „die Linie im bisherigen Umfang weiterlaufen zu lassen“. Danach sollten 77 Tsd. € seitens der KVG und jeweils 16,5 Tsd. € seitens der beiden betroffenen Main-Kinzig-Gemeinden Freigericht und Linsengericht bereitgestellt werden. Damit sollte das von dem Betreiber kalkulierte Defizit der Linie nach bisherigem Fahrplan von jährlich 110 Tsd. € ausgeglichen werden.

Die Bushaltestelle an der Lagerhausstraße wird von der Linie 30 nicht mehr angefahren.

Die Linie AB-30 führt bisher vom bayrischen Schöllkrippen über die Linsengerichter Orte Waldrode, Großenhausen und Altenhaßlau zum Gelnhäuser Bahnhof in der Lagerhausstraße und weiter über Lützelhausen nach Somborn. Durchgeführt wird der Verkehr von der Kahlgrund-Verkehrs-Gesellschaft (auch KVG abgekürzt) in Schöllkrippen. Auf dem gesamten Linienweg im Main-Kinzig-Kreis fahren bisher montags bis freitags 15 Fahrtenpaare im durchgehenden 1-Stunden-Takt von etwa 5:30 bis 20:30 Uhr. Dabei werden am Gelnhäuser Bahnhof aus beiden Richtungen gute Anschlüsse von und zu den Regionalbahnen nach Frankfurt und Wächtersbach angeboten. Der Verkehr an Wochenenden wurde vor einigen Jahren eingestellt.

Wie der Vorsitzender der Linsengerichter Grünen und Fraktionsvorsitzende in der Gemeindevertretung Klaus Böttcher erklärt, sei man angesichts der Aussagen zu der Beschlussfassung von Ende August selbstverständlich davon ausgegangen, dass der Fahrplan der gesamten Linie AB-30 gegenüber 2017 auch im Jahr 2018 nahezu unverändert bestehen bleibe.

Mit Blick auf den jetzt im Internet bei der Kahlgrund-KVG bereitgestellten Fahrplan 2018, der bereits ab kommenden Sonntag, den 10. Dezember zum allgemeinen Fahrplanwechsel Gültigkeit erlangt, kann davon aber keine Rede sein. Nach Prüfung durch den auch beruflich im Öffentlichen Nahverkehr tätigen Klaus Böttcher ergeben sich folgende gravierenden Veränderungen.

So bleiben von den 15 Fahrtenpaaren von/nach Schöllkrippen ganze 5 Fahrtenpaare erhalten, während 10 entfallen. Morgens gibt es noch eine Fahrt ab Gelnhausen nach Schöllkrippen (Abfahrt 7:32 Uhr), die nächste Verbindung besteht erst 6 Stunden (!) später um 13:32 Uhr. Nachmittags wird nur alle 2 bis 3 Stunden gefahren. In der Gegenrichtung entfallen die Fahrten aus Schöllkrippen mit der Ankunft in der Lagerhausstraße um 6:17, 8:24, 9:24, 10:24, 11:24, 12:24, 14:24, 16:24, 18:24 und 19:32 Uhr.

Von dieser „drastischen Ausdünnung“, so Böttcher, sei nicht nur die Verbindung in den Kahlgrund betroffen, sondern auch der bisher auf diesem Ast im Takt regelmäßig gut angebundene Linsengerichter Ortsteil Waldrode, das Ausflugsziel Spessartbogen an der Haltestelle Hufeisenhof und die Großenhäuser Haltestelle Horbacher Straße. Mit nur noch 5 Fahrten je Richtung und Tag seien diese Verbindungen nach Ansicht von Klaus Böttcher sehr unattraktiv geworden und kaum noch vernünftig nutzbar, so dass zukünftig keine ausreichenden Fahrgastzahlen mehr erreicht werden könnten.

Auf dem Linienast von Gelnhausen nach Freigericht-Somborn werden hingegen 14 der 15 bisher angebotenen Fahrtenpaare erhalten bleiben. Nur das vormittägliche Fahrtenpaar 9:37 Uhr ab Lagerhausstraße nach Somborn und 10:02 Uhr ab Somborn zurück nach Gelnhausen entfällt.

Die Fahrten von/nach Somborn werden allerdings zu den Zeiten, in denen keine Fahrten von/nach Schöllkrippen angeboten werden, nicht mehr direkt über die Westtangente nach Lützelhausen fahren, sondern über Altenhaßlau Brentanoschule und Großenhausen Lützelhausen erreichen und weiter nach Somborn fahren. Damit bleiben für Altenhaßlau und Großenhausen die Verbindungen von und zum Gelnhäuser Bahnhof im Wesentlichen erhalten. Mal müsse man aber in den Bus nach Schöllkrippen und in der anderen Stunde den nach Somborn steigen. Die Fahrzeiten nach Lützelhausen werden sich deutlich verlängern. Außerdem wird in Lützelhausen von diesen Fahrten nur noch die Haltestelle Feuerwehrhaus bedient, während von den wenigen Direktfahrten nur die barrierefrei ausgebaute Haltestelle Bachweg bedient wird.

Schließlich werden die Abfahrten am Gelnhäuser Bahnhof von der gut ausgebauten neuen Buswendeanlage in der Lagerhausstraße auf Linsengerichter Seite an den Busbahnhof auf Gelnhäuser Seite verlegt. Dies geschieht wohl auf Wunsch der Gemeinde Freigericht. Aus Linsengerichter Sicht könne dies nicht begrüßt werden, schreibt Böttcher. Denn nun bleiben auf der gut ausgebauten Linsengerichter Seite des Bahnhofs nur noch die Abfahrten der Linie 63, die aber auch zeitweise Großenhausen und Lützelhausen zusätzlich bedienen. So müssen die Fahrgäste nun mal an der Lagerhausstraße und mal auf Gelnhäuser Seite ihren Bus suchen. Weiterhin verlängern sich die Fahrzeiten in alle Linsengerichter Ortsteile wegen der „Kurverei“ auf die Gelnhäuser Seite durch die Unterführung noch zusätzlich.

Der Vorsitzende der Grünen Linsengericht Klaus Böttcher zieht folgendes Fazit:

Bisher war das Angebot der Linie AB-30 sehr übersichtlich mit immer gleichen Linienführungen im durchgehenden 1-Stundentakt montags bis freitags und gut zu merken für die Fahrgäste. Mit dem neuen Fahrplan 2018 wird die Buslinie viel unübersichtlicher, langsamer und deutlich weniger attraktiv für die Linsengerichter Bevölkerung. Die Erschließung Waldrodes sowie die Verbindung in den Kahlgrund werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln erheblich verschlechtert. Fahrgastverluste sind zu befürchten. Das kann nicht das Ziel einer intelligenten ÖPNV-Planung sein!“

Weiterhin ärgert sich Böttcher über die mindestens mißverständlichen Aussagen der KVG und des Landrats über den Erhalt der Linie im derzeitigen Umfang als Grundlage des Beschlusses der Gemeindevertretung im August. Es sei unverständlich, wieso die Kahlgrund-KVG einen so hohen Zuschuss von 110 Tsd. € jährlich benötige, wo sie doch den Verkehr auf der einen Hälfte der Linie um zwei Drittel reduziere. Bisher habe die Linie mit 2 Bussen stündlich sehr wirtschaftlich bedient werden können, jetzt werde das aufgegeben.

Es sei dringend erforderlich, möglichst bald seitens der Gemeinde Linsengericht Gespräche mit der Geschäftsführung der KVG-Main-Kinzig und dem Main-Kinzig-Kreis in der Angelegenheit zu führen. Ziel müsse sein, in Zusammenarbeit mit der Kahlgrund-KVG das alte Angebot wiederherzustellen oder zumindest die eintretenden gravierenden Nachteile abzustellen und für die bereitgestellten erheblichen zusätzlichen öffentlichen Mittel nicht einen schlechteren, sondern einen attraktiveren öffentlichen Nahverkehr zu erhalten. Dazu werde Böttcher seine Fachkenntnisse gerne beisteuern. Dann sollten die Fahrpläne möglichst schon im Laufe des Jahres 2018 angepasst werden.

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